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Werkzeug zur Optimierung der Planungs- und Bauprozesse
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1. Grazer BIM-Tagung am 05. und 06. September 2014 - Technische Universität Graz

 

Building Information Modeling (BIM) wird immer öfter als mögliche Antwort auf die aktuellen Herausforderungen in der Baubranche genannt. Dieser Begriff wird heute für die Summe der Entwicklungen verwendet, die eine ganzheitliche und integrale Sichtweise im Baugeschehen ermöglichen und unterstützen. Sehr oft wird von BIM gesprochen, unabhängig davon, ob ein Prozess, eine Methode oder eine Technologie darunter verstanden wird.

Vor diesem Hintergrund fand auf Initiative des Institutes für Baubetrieb und Bauwirtschaft gemeinsam mit dem Institut für Straßen- und Verkehrswesen am 5. und 6. September 2014 die 1. Grazer BIM-Tagung statt. Die an der Bauingenieurfakultät der TU Graz angesiedelten Institute durften als Veranstalter ein breites Fachpublikum mit über 190 Teilnehmern in den Räumlichkeiten der Technischen Universität begrüßen. Dem integralen Ansatz entsprechend, haben hochkarätige internationale Referenten aus Wissenschaft und Praxis, BIM aus der Sicht unterschiedlicher Fachdisziplinen beleuchtet.

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Ueli Walder. Er war 10 Jahre lang Universitätsprofessor und Leiter des Instituts für Bauinformatik an der TU Graz. In dieser Zeit hat sich ein Forschungsbereich entwickelt, der sich mit der Modellierung der Umgebung des Menschen und der Verwendung von Umgebungsinformationen für die zielgerichtete Informationsverarbeitung beschäftigt. Für Professor Walder "die allgemeinste Form von BIM". Ein Ergebnis dieser Forschung, ist eine mobile Location Based Service (LBS)-Anwendung, in der Gebäudedaten als Navigationshilfe verwendet werden. Diese unterstützt zB die Positionierung von Einsatzkräften in Bauwerken.

Die Verwendung des digitalen Modells der natürlichen und gebauten Umwelt, nennt auch Prof. Dr. Martin Fellendorf, Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Straßen- und Verkehrswesen, als wichtiges Argument auf die Frage, warum der Einsatz von BIM im Straßenwesen sinnvoll ist. Er verdeutlichte die Vorteile, die sich aus der Verwendung von statischen 3D-Objekten (Straßennetze, Gebäuden, …) in Kombination mit dynamischen 3D-Objekten zur Verkehrsflusssimulation, ergeben. Werden diese noch mit Informationen zu Terminen und Kosten über den gesamten Lebenszyklus ergänzt, hält man ein Instrument in der Hand, mit dem unter vielen anderen, auch Antworten zur immer wichtiger werdenden Frage der Straßenerhaltung gegeben werden können.

Dem Thema BIM aus baubetrieblicher und bauwirtschaftlicher widmete sich der Beitrag von Prof. Dr. Detlef Heck, Institutsvorstand und Universitätsprofessor am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft. Viele aktuell praktizierte Abwicklungsformen in Bauprojekten, die sich aus dem derzeit überwiegend sequentiellen Ablauf ergeben, werden durch BIM in Frage gestellt. Daraus ergibt sich neues Potenzial und erheblicher Forschungsbedarf in beiden Fachgebieten. Wie etwa aus baubetrieblicher Sicht in der Arbeitsvorbereitung und der Stabilität von Prozessen. Noch größere Auswirkungen sind auf die Bauwirtschaft absehbar. Mit dem Einsatz von auf definierten Standards basierenden 3D-Modellen und der Integration von Prozessen werden neue Wege in der Vergabe, der Abrechnung und Kalkulation beschritten.

Mit seinem Vortrag "Internationale Entwicklungen im Bereich BIM" hat Dipl.-Verwaltungswirt (FH) Ralf Mosler, AEC Business Development Manager weltweit bei Autodesk, die Situation in Österreich bzw in den DACH-Ländern in Bezug zur europäischen und weltweiten Entwicklung gebracht. Dazu zeigte er einen Überblick zu den aktuellen BIM-Initiativen und legte unter dem Begriff Transformation Levels den Stand der Bemühungen in den einzelnen Ländern dar. Er ist auch auf die Bedeutung der neuen Europäischen Vergaberichtlinie eingegangen und hat hervorgehoben, dass im Zusammenhang damit, zum Einsatz von BIM ermutigt wird.

Prof. Dr. Wolfgang Huhnt, Universitätsprofessor und Leiter des Fachgebietes Bauinformatik an der TU Berlin, beleuchtete das Thema Digitalisierung im Bauwesen. Neben erfolgreichen Beispielen aus der Baupraxis, gibt es dazu viele offene Fragen, die in der Forschung an der TU Berlin bearbeitet werden. Einige Schlagworte dazu sind: "clash detection", Level of Detail - Level of Development, Parametrische Objekte und IFC. Seinen Vortrag schloss Prof. Huhnt mit einem Einblick in die universitäre Lehre. Anhand von Kursen, die derzeit an der TU Berlin und am Technicon Haifa zum Thema BIM angeboten werden, berichtete er über die bisherigen Erfahrungen.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Digitalisierung im Bauwesen hatte der darauf folgende Vortrag zum Inhalt. Dipl.-Geograph Frank Markus, Geschäftsführer Infrastruktur im Mensch und Maschine Systemhaus, erläuterte die Digitalisierung eines 2,5 Quadratkilometer großen Werksgeländes mit Bürogebäuden und Produktionsanlagen, Straßen, Schienen, Grün- und Lagerflächen sowie ober- und unterirdische Leitungen. Das Projekt, das mit einer handschriftlichen Skizze der "Vision" begonnen hatte, mündete in einer Datenbank, in der sämtliche Datenbestände zusammengeführt wurden. Jeder Mitarbeiter kann über ein 3D-Auskunftssystem, auf die für ihn relevanten Daten zugreifen. Die Vorteile sind Redundanzfreiheit, Synergieeffekte, sowie draus resultierende schnellere und zielsicherere Entscheidungen.

Prozessintegration hat sich in der Automobilindustrie bereits erfolgreich vollzogen. Es lohnt sich, wenn auch aufgrund der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen sehr vorsichtig, daraus Lehren und Erfahrungen für die Bauindustrie zu ziehen, so Dipl.-Ing. Konstantinos Kessoudis, Leiter der 5D-Abteilung bei Ed. Züblin AG. Die Veränderungen haben Auswirkungen auf die gesamte Baubranche. Wichtig ist, dass der Mehrwert in jeder Phase der Umsetzung generiert wird. Dipl.-Ing. (FH) Hrvoje Petrovic, Leiter der BIM/5D Planung der Zentralen Technik Standort Wien, demonstrierte darauf aufbauend an einem aktuellen Beispiel, wie 3D mit der Verknüpfung des Bauablaufs zu 4D und schließlich mit der Einbindung von Daten und Prozessen zu 5D wird.

Der Vortrag von Mag. Ing. Alfred Waschl, geschäftsführender Gesellschafter CAFM engineering GmbH, MEDIA management sowie der PoS Holding GmbH, führte thematisch in die Phase "Nutzung und Betrieb", um von dort den Brückenschlag zu Planung und Bau zu fordern. Ohne die Berücksichtigung der Anforderungen aus dem Betrieb, kann die Optimierung der Planungs- und Bauprozesse nicht ganzheitlich funktionieren, und der mögliche "Return on Investment" stellt sich nur bedingt ein. Ziel ist ein Facility Information Management (FIM), in das an der Schnittstelle zwischen Bau und Betrieb, jene BIM-Daten übernommen werden, die der Facility Manager für seine Arbeit benötigt.

Dass das Building Information Modeling in der Baupraxis angekommen ist, beweisen auch die Projektbeispiele in der Präsentation von DDipl.-Ing. Gernot Wagner, Geschäftsführer der Porr Design und Engineering GmbH. Er beschreibt darin auch die Vorteile, die sich für den Bauherren ergeben. Dieser kann von überall auf ein Echtzeit-Modell seines bestellten Werkes zugreifen, und damit den Baufortschritt am 3D-Modell verfolgen. Er hebt aber auch hervor, wie wichtig es ist, dass die Firmenleitung hinter dem Projekt BIM steht, und dass immer noch der Mensch der die Werkzeuge verwendet, ausschlaggebend für den Erfolg ist.

Wie sich die Situation aus Sicht der Schalungstechnik darstellt, haben Ing. Andreas Aflenzer, Abteilungsleiter Entwicklung Technische Software bei DOKA und Mag. Markus Bittner Service Engineer und BIM-Gesamtkoordinator bei DOKA in Ihrem gemeinsamen Beitrag erläutert. Wie auch in anderen Fachdisziplinen beschäftigt man sich auch in der Schalungstechnik mit BIM. Die Umsetzung erfolgte auch schon an einzelnen erfolgreichen Leuchtturmprojekten. Für die breite Anwendung im Praxisalltag, sind auch hier noch grundlegende Basisarbeiten zu definierten Standards und Austauschformaten zu leisten.

Augenblicklich werden in Österreich zwei Normen bearbeitet, die sich dem Thema BIM widmen, berichtete Dipl.-Ing. Architekt Peter Kompolschek, selbstständiger Architekt und Sachverständiger. Er teilt die Meinung, über die von Architekten oft befürchteten Nachteile durch BIM nicht, sondern sieht vor allem die Steigerung der Planungsqualität, die sich nur positiv auf die Branche auswirken kann, sowie die gesteigerte Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Besonders kleine Unternehmen können durch den BIM-Einsatz profitieren.

Den Abschluss des ersten Tages bildete der Vortrag „BIM- Rechtliche Grundlagen nach österreichischem Recht in den Bereichen Vergabe- und Bauwerksvertragsrecht“ von Dr. Philipp J. Marboe, Associate bei Wolf Theis Rechtsanwälte und Bmstr. DI (FH) Dr. Thomas Anderl, Senior Associate bei Wolf Theis Rechtsanwälte. Durch die neuen Abwicklungsformen gibt es naturgemäß auch aus rechtlicher Sicht einige Spezifika die berücksichtigt werden müssen. Wichtig ist vor allem, dass der Auftraggeber bereits im Vorfeld Festlegungen zur Projektabwicklung trifft, die sich in der Vertragsstruktur und in der Konstellation der Projektbeteiligten widerspiegelt. Nur so, können in Kombination mit den für das Projekt klar definierter BIM-Standards, die Vorteile von BIM ausgeschöpft werden.

Wie weit fortgeschritten die Entwicklungen in Teilbereichen bereits sind, haben die Vorträge eindrucksvoll bewiesen. Gleichzeitig wurden aber auch Handlungsfelder identifiziert, denen in Zukunft vermehrtes Augenmerk geschenkt werden muss. Als Beispiele seien hier die rechtlichen Rahmenbedingungen, eine adäquate Ausbildung bzw. ein neues Berufsbild und vor allem die Verbesserung des Datenaustausches genannt.

Während am ersten Tag die Prozessgestaltung und -integration im Vordergrund stand, lag der Schwerpunkt des zweiten Tages auf den dazu erforderlichen Werkzeugen. In einer Working Group wurden Softwaretools und deren Anwendungen vorgestellt und diskutiert. Den ersten Teil des Vormittags betreute Marcus Wallner, Berater im Bereich BIM-Einführung. Er demonstrierte anhand eines einfachen Beispiels, den Datenaustausch zwischen verschiedenen Softwareprodukten. Den zweiten Teil übernahm Dipl.-Ing. Architekt Peter Kompolschek, der die Anwendung eines Softwaretools aus seiner täglichen Arbeit vorstellte. Diese Programme bieten die Möglichkeit, neben der Digitalisierung der Objekte, auch die neu erarbeiteten Prozessabläufe und Abwicklungsformen im Baugeschehen digital abzubilden und dadurch zu unterstützen.

Der Fokus dieser zweitägigen Veranstaltung lag darauf, der BIM-Thematik Raum für Information, Diskussion und Erfahrungsaustausch zu geben. Dieses Angebot wurde von den Vortragenden und Teilnehmern intensiv genutzt. Damit wurde ein wichtiger Beitrag für die Zukunft geleistet und der Grundstein für weitere Initiativen zum Thema BIM im Graz gelegt. So wird es in Kürze eine Ausschreibung für eine eigene Professur für „Building Information Modeling (BIM)“ an der Fakultät für Bauingenieurwissenschaften geben.


Der Tagungsband zur Veranstaltung, kann über das Sekretariat des Instituts für Baubetrieb und Bauwirtschaft bezogen werden:
Email: sekretariat.bbw@tugraz.at
Tel: 0316/873-6251 oder 0316/873-4251

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            last update 12 August, 2014